Nightmare
Noch vor einem halben Jahr war ich zufrieden. Vielleicht nicht hundertprozentig glücklich, aber zufrieden. Ich steuerte geradewegs aufs Abi zu und war beschäftigt…ein wenig nervös wegen der Prüfungen, aber zuversichtlich, diese Prüfungen ganz gut über die Runden zu bringen.
Und jetzt?
Dinge, die sich positiv entwickelt haben:
- ich habe einen tollen Freund =)
Dinge, die sich negativ entwickelt haben:
- mein Opa ist tot
- ich habe keinen Studienplatz
- ich habe keinen Job
- ich bin gesetzlich krankenversichert
- ich habe ein Auto vor der Tür stehen, das ich momentan nicht benötige
- einige meiner Freunde sind nach und nach weggezogen
- mein Vater ist enttäuscht und wütend
Wie ich bereits irgendwann geschrieben habe, würde ich ohne Erwan wahrscheinlich die Krise kriegen. Er ist toll und verständnisvoll. Allerdings macht mich die Aussicht, ihn erst im Februar wiederzusehen, fertig.
Mein Opa ist gestorben, an Krebs. Es tut immer noch weh, an ihn zu denken und daran, dass ich ihn nie wieder sehen werde. Aus diesem Grund werde ich zu diesem Thema auch nichts weiter von mir geben.
Tja, kein Studienplatz. Es ist so unfair! Gestern war der 7. Oktober – der erste Termin für das Nachrückverfahren. Ich habe keinen Bescheid erhalten und habe somit eigentlich nur noch den 17. Oktober, an dem ich einen Bescheid bekommen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dann an diesem Termin noch einen Platz zu erhalten, ist allerdings mehr als gering. Danach gibt es zwar noch das Losverfahren der Uni Leipzig, aber das ist dann wirklich reine Glückssache, ob man darüber einen Platz erhält.
Damit zusammen hängt auch die Sache mit der Jobsuche. Ich kann im Prinzip nichts unternehmen, bevor ich nicht eine entgülitige Entscheidung habe. Damit bin ich also im Moment nichts. Das heißt, dass ich mich früher oder später auf dem Arbeitsamt melden muss (wie dumm, weil ich ja ohnehin keinen Anspruch auf Leistungen habe).
Die gesetzliche Krankenversicherung hängt natürlich noch mit dem FSJ zusammen. Da ich das jetzt gekündigt habe, muss ich mich jetzt ‘freiwillig’ versichern. 120 € im Monat. Ich hoffe, dass sich das möglichst schnell wieder verändert.
Das Auto ist im Moment noch kein Problem. Die KfZ-Steuer und die Versicherung kostet im Monat um die 55 €, das zieht mein Vater von meinem Kindergeld ab. Wenn ich Glück habe und einen Job bei der Post bekomme, brauche ich das Auto dann auch wieder, womit zumindest keine sinnlose Investition war.
Was meine weggezogenen Freunde angeht: Mit Stephan habe ich überhaupt keinen Kontakt mehr, was ich sehr bedauere. Ich weiß allerdings nie, wann er gerade mal in Leipzig ist, weil er natürlich nicht auf die Idee kommt, sich mal zu melden…bei den Anderen ist das hoffentlich nicht der Fall.
Mein Vater benimmt sich in meinen Augen idiotisch. Er tut so, als wäre es fast der Weltuntergang, weil ich das FSJ gekündigt habe und jetzt in der Luft hänge. Dass es hundertausende von Menschen gibt, die noch schlechter dran sind und noch weniger Perspektive haben, als ich im Moment, daran denkt er nicht. Als ob mein Leben in ein paar Jahren vorbei wäre. Er versteht auch nicht, dass ich mit dem FSJ experimentiert habe und dass dieses Experiment schief gegangen ist. Shit happens! So was kann mir auch mit dem Medizinstudium passieren. Was ich heute in den beiden Eröffnungsvorlesungen Biologie und Chemie gehört habe, macht mir ein wenig Angst. Es klingt so, als würde man praktisch ständig Testate schreiben, nicht zu vergessen, dass man natürlich am Ende des Semesters auch noch die großen Klausuren hat und in zwei Jahren dann die erste ärztliche Prüfung, die alle Fächer und Semester bis dato in einer Klausur zusammenfasst. Auf der anderen Seite habe ich ja ein Ziel vor Augen und kann ja immer noch hoffen, dass es danach besser und leichter wird…wie auch immer…
…ich hänge in der Luft, relativ hoffnungslos, traurig, enttäuscht, gereizt und überhaupt…frustriert.