Urlaub die I.
„Zehn Tage Amsterdam? Ihr elenden Kiffer!“
Das war mein bester Freund Stephan. Aber mal im Ernst, wer hat behauptet, dass wir, nur weil wir uns ausgerechnet Amsterdam als Urlaubsziel ausgesucht haben, unbedingt kiffen werden?
Wir. Franzi, Marie, Tweety und ich – ein Chaotenhaufen sonders gleichen.
Das zeigte sich dann auch schon beim Versuch der Abfahrt. Ich für meinen Teil, gehöre zu den Improvisationskünstlern. Ich packe mein Zeug am Tag der Abreise zusammen. Nun ja, ich hatte mich mit der Zeit ein wenig verschätzt, musste dann ein wenig hetzen, um bis um acht fertig zu werden. Das hätte ich mir auch sparen können. Ich hatte noch eine geschlagene Dreiviertelstunde Zeit, bis Franzi dann endlich mit ihrem roten VW Golf Kombi vor meiner Türe stand.
Aber der Grund für die Verspätung war diesmal ein Guter. Ihr Vater hatte noch schnell den Dachgepäckträger angebaut – unsere absolute Rettung.
Schon mit meinem Gepäck schien das Auto leicht überfordert zu sein, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt erst zu dritt waren. Tweety würden wir erst in Berlin aufgabeln.
Ich sollte den Weg bis Berlin fahren, damit Franzi sich von meinen Fahrkünsten überzeugen konnte. Dort würde dann Tweety übernehmen, damit ich mich ausruhen konnte um dann im Anschluss auf Franzi aufzupassen…soweit der Plan.
Wir haben aber nicht mit Uschi gerechnet. Mit ‚Uschi‘ ist unser Navi gemeint. Ich stelle mir beim Namen Uschi ja immer eine dumme Blondine vor und als wir dann gegen halb fünf Abends im Norddeich nördlich von Hamburg ankamen aber weit und breit keinen Campingplatz erkennen konnten, kamen die ersten Zweifel. Fünf Minuten später war klar: Uschi war definitiv blond!
Wer hätte denn ahnen können, dass es das Kaff Norddeich zwei mal in Deutschland gibt und dass unser begnadetes Navi uns natürlich ins falsche schickte?!
Alles in allem kostete uns der Spaß knapp 400 Kilometer zusätzlich (wir hams ja!), eine zweite nervenaufreibende Fahrt durch den Berufsverkehr Hamburgs und fast kaputte Bremsen. Als ich nämlich nochmal dran war, zu fahren, hatte ich die Handbremse wohl nicht komplett nach unten gedrückt. Ich fuhr also eine Viertelstunde mit leicht angezogener Handbremse über die Autobahn und merkte das erst, als die Fußbremse auf einmal nicht mehr reagierte.
Trotzdem kamen wir dann halb elf abends endlich auf dem richtigen Zeltplatz im richtigen Ort an.
„Wenigstens regnet es nicht.“, meinte Tweety nur trocken, als wir unser Gepäck zu Fuß zu unserem Stellplatz schleppen mussten, weil wir nicht mehr mit dem Auto reinfahren durften. Hätte sie mal lieber die Klappe gehalten. Schon Murphy wusste das. Natürlich hat es angefangen zu regnen und natürlich mussten wir unser Zelt nass aufbauen.
Am geilsten war dann trotzdem der Spruch eines angetrunkenen Typen, der vorbeikam, unsere Bemühungen eine Weile beobachtete und anschließend ganz unschuldig fragte: „Warum baut ihr euer Zelt eigentlich erst jetzt auf?“
Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre diesem Kerl an die Gurgel gegangen. Stattdessen versuchte ich ruhig zu bleiben: „Ach, weißt du, wir standen vorhin schon wo anders, aber da hat es uns nicht gefallen, deshalb haben wir unser Zeug komplett abgebaut und stellen es jetzt mitten in der Nacht im strömenden Regen wieder auf.“
Seinem doofen Grinsen und dem „Ach so.“ entnahm ich, dass er die Ironie nicht kapiert hatte, aber egal. Endlich stand das Zelt und wir konnten ein erstes Campingmahl verdrücken: Mein letztes Toastbrot mit Nutella, Marmelade und – im Falle von Franzi und Tweety – Schinken.
Neuer Tag, neues Glück?
Denkste!
Wir wachten auf und es regnete in Strömen, das Zelt war an den Nähten nicht ganz dicht und bei jeder Windböe drückte es das Wasser herein. Mein rechter Schuh war nass.
Trotzdem wolten wir optimistisch bleiben. Nach einem feuchten Frühstück schnappten wir uns die Schirme und beschlossen Wattwandern zu gehen.
Na ja, ich kannte das Watt ja schon vorher und da ich nicht unbedingt auf das glitschig, schleimige Gefühl zwischen den Zehen stehe, blieb ich lieber oben auf dem Asphalt.
Zu unserem größten Erstaunen hörte es dann auch mal auf zu regnen und wir konnten noch schnell den fälligen Einkauf erledigen.
Wären wir mal lieber im Laden geblieben.
Auf dem Rückweg, der uns irgendwie viel länger vorkam, als der Hinweg, holte uns ein Gewitter ein. Und was für eins!
Trotz Regenschirme und Regenjacken waren wir hinterher komplett durchweicht. Meine Schuhe (mein einziges Paar!) machten schon lustige Geräusche bei jedem Schritt.
Fazit. Norddeich.
Es war kalt und nass und kalt und nass und kalt und nass und…ach ja, am Abend gab es einen schönen Sonnenuntergang.
Trotzdem waren wir alle erleichtert, als wir schließlich wieder alles ins Auto packen und endgültig in die Niederlande reisen konnten.
To be continued…