Hallo erstmal…

August 15, 2008 at 7:31 (Ich) (, , , , , , , , , , , , , , )

Tja, was schreibt man jetzt als absoluter Blog-Neuling?

Gut, das ganze Teil hat wenigstens ein Thema: Mein ‘grandioses’ Leben. Vielleicht wäre es also ein Plan, mit meinem Leben im großen und ganzen anzufangen.

Ich.

Wie es schon irgendwo in der Profilinfo stehen dürfte, heiße ich Mandy. Ich hab mal ein wenig nachgeforscht. ‘Mandy’ ist die Kurzform des klangvollen Namens ‘Amanda’, was so viel wie ‘die Liebenswürdige’ heißt.

Haha, shit happens! Meine Eltern konnten keinen größeren Fehlgriff tun, als mit meinem Namen!

Nein, ich bin kein liebenswürdiger Mensch, ich bin nicht nett, ich bin nicht sensibel und besonders sozial bin ich auch nicht – zumindest nicht im normalen Leben, doch dazu kommen wir erst viel später.

Wie auch immer. Nachdem mir meine Ma und Mein Pa nach meiner Geburt im Januar des Jahres 1990 diese Identität verpasst haben, ging es also los: Mein Leben.

Ich hatte eine gute Kindheit. Wann immer ich sie allerdings darauf anspreche, wie ich als kleines Kind war, rollen meine Eltern nur mit den Augen. Ich war anstrengend; ein typisches Baby, das man am liebsten nach den ersten Wochen wieder umtauschen würde; nur am schreien, keinesfalls daran interessiert eine Nacht durchzuschlafen und meine Meinung zum Thema Babybrei habe ich nach der Stillzeit auch deutlich genug kundgetan.

Dennoch war mein Leben in Ordnung. Bis mich meine Eltern eines Tages mit zarten fünf Jahren vom dreitägigen Omaurlaub abholten und mir meinen Bruder unter die Nase hielten. Von da an ging es abwärts. Nicht, dass meine Eltern mich in irgendeiner Art und Weise benachteiligt hätten. Nein, sie waren weiterhin liebevolle, aufmerksame Verantwortliche. Es war wohl eher die Tatsache, dass ich mein kleines Brüderchen von Anfang an nicht leiden konnte. Natürlich habe ich ihn das nicht spüren lassen – gut, das war jetzt gelogen.

Nun ja, der zweite Einschnitt, nach der ungebetenen Ankunft Tommys (er ist den Spitznamen bis heute nicht losgeworden), gab es noch einen zweiten wichtigen Einschnitt in meinem Leben: Der Umzug.

Mein Pa hatte einen neuen, besser bezahlten Job in Leipzig bekommen. Und was macht die liebe Familie, wenn die Sache mit dem wöchentlichen Pendeln zwischen zwei Wohnungen nicht mehr funktioniert? Richtig, sie packt alles zusammen und zieht um.

Was habe ich gelitten, als ich mich von meinen alten Freunden und der Gegend, in der ich aufgewachsen war, verabschieden musste.

Trotzdem habe ich mir Mühe gegeben.

Wisst ihr, es ist wirklich nicht leicht, als völlig einsames, elfjähriges Mädchen nach den Winterferien in eine neue Klasse zu kommen. Zum Glück war ich trotz meiner überzähligen Pfunde (die ich auch noch bis zur neunten Klasse mit mir herumgeschleppt habe) interessant. Eine kleine, magere, blonde Quasselstrippe machte mich mit ihren Freunden bekannt, die ich zwar alle doof fand, zu denen ich aber trotzdem nett war.

Ich überlebte also mit Ach und Krach die Grundschulzeit. Danach ging es mir wieder besser. Auf dem Gymnasium (dem schönen weißen mit dem Turm) waren wir ja alle neu. Gut, ich und meine Mitschüler aus der Grundschule eher weniger, wir kannten uns ja alle schon.

Die folgenden Jahre waren wieder eher unspektakulär; ich hatte meine Freunde und meinen Feind, was wollte ich mehr?

Diese Frage stellte sich mir bis zur neunten Klasse. Denn auf einmal waren meine beiden besten Freundinnen weg, die eine auf die Realschule, die andere an ein anderes Gymnasium. Und ich? Ich war allein mit meinem Feind. Stephan. Was habe ich diesen Namen gehasst. Er stand für Demütigung und die Tatsache, dass ich bei unseren Streitgesprächen stets den Kürzeren zog. Das mache ich auch heute noch, aber es fällt nicht mehr so auf; heute ist er mein bester Freund.

Weiß der Geier, wer oder was daran Schuld war, dass wir uns nicht mochten. Fakt war: Wir beide hatten mit Sabrina und Christin unsere besten Freundinnen an andere Schulen verloren – ohne Garantie, dass der Kontakt erhalten bleiben würde. Und irgendwie waren wir uns einig, dass wir kindisch waren.

Mit der Freundschaft zu Stephan tat sich mir auch ein völlig neuer Freundeskreis auf. Ich hätte nie gedacht, dass man sich mit Kerlen so vernünftig unterhalten konnte und die waren ihrerseits offenbar ein wenig irritiert über die Tatsache, dass Mädchen durchaus ein rational denkendes Gehirn besitzen können.

Ja, wir hatten Spaß. Ob im Schul-Improtheater oder im langweiligen GRW-Unterricht. Und dann kam das, was ich nie für möglich gehalten hätte…ich mochte meinen größten Konkurrent in der Klasse. Seit ich mit Stephan befreundet war, verglichen wir stets unsere Noten und freuten uns darüber, wenn wir den anderen mal wieder ausgestochen hatten. Und dann stellte sich plötzlich heraus, dass der arrogante Arsch zwar arrogant aber irgendwie auch ganz…nett war. Dennoch entwickelte sich zwischen uns nie etwas, was man wirklich Freundschaft nennen konnte. Gegensätze ziehen sich an? Nö, wir haben uns eher abgestoßen. Aber gut, man kann ja nicht alles haben.

Im gleichen Jahr war ich das erste Mal so richtig, richtig, richtig fies verliebt. Für diesen Typen habe ich über zehn Kilo abgenommen (ja, es wird immer gepredigt ‚Nimm NIE für einen Kerl ab, aber hey, ich habe es nicht bereut). Nun ja, so richtig was geworden ist es dann trotzdem nicht.

In der zehnten Klasse trat dann eine andere Person in mein Leben. Sie hieß Judith und kam aus dem Westen. Sie lebte zu dem Zeitpunkt unserer Bekanntschaft bereits zwei Jahre in Leipzig, war hier an der Realschule.

Die Freundschaft hielt knapp zwei Jahre. Auf unserer Kursfahrt in der elften Klasse nach Rom (geile Stadt!), hat sie urplötzlich beschlossen, mich zu hassen. Ich versuchte danach, mich irgendwie für mein ‘Fehlverhalten’ (das war einfach mal so geraten; ehrlich, ich hatte keine Ahnung, was ich falsch gemacht hatte!) zu entschuldigen, mit dem Ergebnis einer saublöden Antwort und weiterer Ignoranz. Also Gut, wenn sie nicht will, ist ja nicht so, dass ich keine anderen Freunde gehabt hätte.

Aber das alles war nur belastende Hintergrundmusik in der großen Oper, die mein Leben darstellte.

Ich raste unaufhaltsam auf mein Abitur zu und nebenbei versuchte ich vier mal wöchentlich Volleyballtraining und die Fahrschule zu managen.

Aber am Ende alles kein Problem. Fünf Wochen vor meiner ersten schriftlichen Prüfung in Deutsch überreichte mir der Prüfer den Wisch, mit dem ich dann brav zum Ordnungsamt dackelte um meinen Führerschein abzuholen. Der große Schock ereilte mich dann, als mich die nette Dame bat, den Personalausweis herauszuholen…ich hatte das verdammte Teil verloren, vermutlich am gleichen Tag, an dem ich die Prüfung abgelegt hatte.

Also rannte ich in der folgenden Woche zum Bürgeramt um einen neuen Perso zu beantragen, zahlte dort brav die überteuerte Gebühr und verabschiedete mich mit dem Wissen: In spätestens vier Wochen kannst du endlich autofahren. Tja, dann traf die nette Postkarte vom städtischen Fundbüro ein. Irgendein aufmerksamer Mensch hatte meinen Perso gefunden und abgegeben. Aber Deutschland wäre nicht nach Frankreich das bürokratisch undurchsichtigste Land, wenn ich den jetzt einfach wieder abholen hätte können. Nein, der alte Perso wurde vernichtet und ich musste auf den neuen warten. Hervorragend.

Nach dem ganzen Stress kamen mir die fünf Stunden schriftliches Deutschabi fast wie ein Kinderspiel vor (besonders einfallsreich waren die Typen ja nicht gerade; wir schrieben das 1999er Abi aus dem Saarland).

Durch Mathe tanzte ich mit geradezu beängstigender Leichtigkeit, doch der Hammer in Form des bescheuertsten Bioabis der letzten Jahre ließ nicht lange auf sich warten. Selbst die Lehrer waren der Meinung, dass es schwer gewesen war.

Vor der mündlichen Geschichtsprüfung hatte ich dann einfach nur noch Angst. Dennoch ließ ich mich auf das waghalsige Experiment ein und lernte kein Wort Geschichtshefter. Stattdessen wälzte ich meine Bücher und las die Kapitel mehrfach durch.

Am Morgen der Prüfung ging es mir gut – zu gut wahrscheinlich, denn von zwei Themen, die ich nur im Ansatz konnte, kam natürlich das schwierigere dran. Zum Glück waren die Lehrer alle nett und gut gelaunt und so kam ich nach einer halben Stunde Herumgestammel mit sage und schreibe 13 Punkten aus dieser Prüfung.

 

Der Tag, an dem wir dann die Ergebnisse von unserem absolut genialen und unvergleichlichen Oberstufenberater GeNo ‘in so ‘nem geilen Umschlag’ erhielten und dann auch ‘gleich uffruppen und uns freuen’ konnten, war chaotisch.

Ich überflog meine Ergebnisse nur kurz und dachte mir nur: Jap, Bio verhauen, war klar.

Stephan hätte mich fast erwürgt, als ich auf seine Frage ‘Und, wie ist es ausgefallen?’ nur mit einem ‘Nicht schlecht’ antwortete.

1,4.

Einskommavier.

Ja, tatsächlich nicht schlecht, aber ob es für mein heiß ersehntes Medizinstudium reichen würde? Ich war mir da nicht so sicher.

 

Nach dem Abiball packte mich erst mal die große Orientierungs- und Antriebslosigkeit.

Die Schule war vorbei. Und jetzt?

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